36. Schwule Filmwoche Freiburg (Limited Edition!) vom 4. bis 6. Dezember 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,


nachdem ja im Mai 2020 unsere geplante 36. Schwule Filmwoche Freiburg aufgrund von Covid-19 ausfallen mussten, war für uns schnell klar, dass wir dies nur als „Verlegung“ ansehen wollen.
Und so findet nun – sofern bis dahin der aktuelle Lockdown beendet ist – eine „Limited Edition“ der 36. Schwulen Filmwoche vom 4. bis 6. Dezember 2020 im Freiburger Kino Kandelhof statt.
Zwar kann sie auch jetzt nicht unbeschwert und so ausgelassen wie sonst stattfinden, aber wir freuen uns darüber, an drei Tagen acht Spielfilme aus der ganzen Welt und eine Dokumentation sowie unser exklusiv zusammengestelltes Kurzfilm-Programm „Würzig“ präsentieren zu können.

Infos zu unseren Hygieneregeln finden Sie übrigens hier: http://schwule-filmwoche.de/hygienekonzept/

Gleich zur Eröffnung freuen wir wir uns darüber, den neuen Film von Xavier Dolan vorstellen zu können. Wir zeigten bereits auf den vergangenen Festivals mehrere Beispiele des Schaffens des jungen frankokanadischen Regisseurs („I Killed My Mother“„Herzensbrecher“). Nun feierte dieses Jahr in Cannes sein aktuelles Werk „MATTHIAS & MAXIME“ Welturaufführung.
Ein Kuss im Rahmen eines studentischen Kurzfilms bringt das Leben zweier Freunde und ihrer Umwelt völlig durcheinander. Der Regisseur selbst schlüpft dabei in die Rolle des „Maxime“ und herausgekommen ist dabei – von der Kritik sehr begeistert aufgenommen – eine „melancholische Geschichte über Freundschaft, Verlangen und den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft.“ (Carsten Baumgardt, Filmstarts).



Gibt es auch deutschsprachige Filme?


Ja, z.B. gleich am Freitag das neue Werk von Rosa von Praunheim„DARKROOM – TÖDLICHE TROPFEN“. Basierend auf einem realen Fall – einer Mordserie, die im Jahr 2012 die Berliner Schwulenszene erschütterte -, erzählt von Praunheim die Geschichte des Täters (im Film heißt er „Lars“) aus dessen Perspektive. Aus der Gerichtszelle hinaus blickt er auf sein Leben zurück. Als Kind von der Großmutter missbraucht, lernt er als junger Mann scheinbare Harmonie in seiner Beziehung zu Roland kennen, mit dem er aus Saarbrücken nach Berlin zieht. Hier taucht er in das Nachtleben ein, nimmt Drogen und lebt immer extremere Phantasien aus.
Rosa von Praunheim übernahm bei diesem Film nicht nur die Regie, er ist auch als Drehbuchautor und Produzent dafür verantwortlich.

Ein zweiter deutschsprachiger Film kommt dagegen viel leichter daher: „KOPFKINO“ von Peter Lund. In dem sehr unterhaltsamen und witzig inszenierten Film-Musical zieht „Lennard“ aus der badischen Provinz in eine Kreuzberger WG. Dort wohnt er zusammen mit dem tiefenentspannten Ben und der durchgeknallten Fine.
Aber eigentlich hat Lennard schon Mitbewohner genug – zumindest in seinem Kopf. Da sind zum Beispiel die vernünftige Sophia, der machohafte Boris, die harmoniesüchtige, esoterische Helena, die pubertierende Tess, das Spielkind Theo und natürlich sein gesammeltes Angstpotenzial Jürgen.
Und alle versuchen Lennard ungefragt ihre Meinung zu sagen … Kein Wunder, dass er so viel Zeit braucht, sich zu entscheiden. Vor allem aber wenn es darum geht, wem Lennard sein Herz schenken könnte, läuft sein „Kopfkino“ zu ganz großer Form auf. Wird es Ben oder Fine sein? 
Das ungewöhnliche Film-Musical entstand in Zusammenarbeit mit der Neuköllner Oper und der Akademie der Künste.



Gibt es Komödien im Programm?

Grundsätzlich sind die Kategorien bei unserem Filmprogramm ohnehin oft fließend und „Drama“ heißt nicht gleich dramatisch und bierernst.
Aber dennoch haben wir eine queere Feelgood-Komödie aus Italien im Programm, die spritzig und leicht daher kommt: „AMORE AL DENTE – EIN FAST GEWÖHNLICHER SOMMER“.
Tony und Carlo, beides Oberhäupter zweier sehr unterschiedlichen Familien, verbringen ihre Sommerferien mit den beiden „Clans“ in einem wunderschönen Anwesen am Meer. Der Anlass wird Alle überraschen: Tony und Carlo sind beide schwul, ein Paar und wollen heiraten …
Das kann ja ein spannender Urlaub werden!
Neben der turbulenten Handlung, die der Regisseur Simone Godano spritzig und leicht inszeniert hat, wehen bei diesem Film auch italienische Sommerklänge und scheinbar eine frische Meeresbrise in den Kinosaal. Ideal für die herbst-winterliche Stimmung derzeit.



Was erwartet uns noch bei der Filmwoche?

Einen melancholisch-warmen Film haben wir dieses Jahr – kurz vor Corona – noch auf der Berlinale entdeckt: „SUK SUK“ von Ray Yeung. Der Film aus Hongkong erzählt die Geschichte von dem 70-jährigen Pak, mit einer Frau verheiratet und Taxifahrer in der Metropole. Er trifft auf den etwa gleichaltrigen Hoi, der nach seiner Scheidung mit seinem fromm-christlich orientierten Sohn und dessen Familie zusammen lebt.
Die beiden Männer begegnen sich eher zufällig und zwischen ihnen entspinnt sich eine zwarte Liebesbeziehung. Nachdem sie ihr Leben lang ihre sexuelle Identität den familiären und gesellschaftlichen Bedürfnissen hintenangestellt haben, versuchen sie nun, im Geheimen etwas Glück zu finden. Allerdings wird das nicht einfach sein …
Beide Hauptdarsteller des Films sind im chinesischen Sprachraum sehr bekannt und gefeiert. In diesem bemerkenswerten Film stellen sie sich mutig und bedacht gesellschaftlichen Tabus aller, aber vielleicht insbesondere der asiatischen Gesellschaft. Eine kleine Perle in unserem Programm und unbedingt sehenswert!

Ebenfalls von der Berlinale bringen wir „VENTO SECO – DRY WIND“ aus Brasilien mit. Regisseur Daniel Nolasco entführt uns in die trocken-heiße brasilianische Provinz, wo die Ankunft eines Fremden den langweiligen Alltag eines Fabrikarbeiters wachrüttelt und eine ungeahnte Leidenschaft erwacht. Aber sich dem Film alleine über die Handlung oder die liebevolle Auswahl an Retrocars und die bildliche Darstellung nähern zu wollen, ist zu kurz gedacht. Daniel Nolasco sagt, es gehe ihm alleine um die homoerotische Sehnsucht auf dem brasilianischen Land.
Ein echtes Berlinale-Fundstückt 2020 – bunt, sexy, schmutzig und natürlich DRY.

Matthew Fifer ist nicht nur der Regisseur von „CICADA“, er schrieb auch das Drehbuch, ist mit für den Schnitt verantwortlich und produzierte den Film. Und er spielt eine der beiden Hauptrollen, die des bisexuellen Ben. Dieser wiederum hat viele Bettgeschichten – auch mit Frauen. Doch als er zufällig den gutaussegnenden Sam trifft, entsteht zwischen ihnen eine tiefe Verbindung. Und mehr und mehr erfahren sie mehr voneinander: so wurde Ben als Kind sexuell mißbraucht, was ihn bis heute belastet und zu unberechenbaren Brechattacken führt.
Sam wiederum wurde als Schwarzer von einem Fremden auf offener Straße angeschossen, was ihn verständlicherweise schwer traumatisierte. Außerdem kann er mit seiner Homosexualität nur schwer offen umgehen, zumal er einer streng religiösen Familie angehört.
Matthew Fifer hat in seinem Spielfilmdebut (Regie führte er zusammen mit Kieran Mulcare) sehr viele wahre Begebenheiten verarbeitet und diverse Themen intensiv thematisiert.
Die Uraufführung fand erst am 20. August 2020 bei dem unter freiem Himmel stattfindenden „Outfest“ in Los Angeles statt und wurde begeistert gefeiert.
Beim Fusion Filmfestival Oslo bekam er den Publikumspreis„Best Narrative Feature“.

Packend ist auch „MOFFIE“ aus Südafrika und Großbritannien. Zur Zeit der Apartheid muss 1981 der britischstämmige Nicholas van der Swart seinen Militärdienst leisten, um das Regime vor der Bedrohung durch den Kommunismus und der „Schwarzen Gefahr“ zu verteidigen.
Dass Nickolas schwul ist, darf niemand wissen, denn wer in der Truppe als „moffie“ erkannt ist, wird brutal schikaniert und gequält. Als er und sein Kamerad Dylan Gefühle füreinander entdecken, stellt dies beide vor eine große Herausforderung . Mit ganz unterschiedlichen Enden.
Mit epischer Bildsprache zeigt Oliver Hermanus‚ authentisches Soldatendrama, wie das Apartheid-Regime neben all seinen rassistischen Gräueltaten auch unzählige weiße junge Männer körperlich und physisch zugrunde gerichtet hat. Es galt, Homosexuelle und alle anderen „Abweichler“ aus der südafrikanischen Gesellschaft zu beseitigen.



Gibt es auch eine Doku?

Passend zur US-Wahl zeigen wir „GAY CHORUS DEEP SOUTH“ von David Charles Rodrigues am Sonntag morgen. Vier Jahre zurück: nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im November 2016, sind die Auswirkungen in den konservativen Südstaaten besonders stark. Diskriminierungen von Minderheiten nehmen zu, und eine ganze Reihe von Anti-LGBTQ*-Gesetzen werden beschlossen oder diskutiert.
Als Reaktion darauf entschließt sich der San Francisco Gay Men’s Chorus, genau in diesen US-Gebieten auf Tournee zu gehen. Über 300 Sänger reisen auf eigene Kosten in den tiefen Süden und versuchen, eine versöhnliche Botschaft von Muisk, Liebe und Akzeptanz zu jenen Communitys zu bringen, die in ihrem Umfeld mit großer Intoleranz konfrontiert sind.
Der Regisseur und sein Team begleitet den Männerchor, fängt die Lebensgeschichten der Sänger sehr berührend ein. Und er berichtet von dem Engagement des Chores und seine Wirkung auf eine tief gespaltene Gesellschaft.
Diese einfühlsame Dokumentation gewann Publikumspreise beim Tribeca Filmfestival in New York sowie beim Pink Apple Filmfestival in Zürich.


Gibt es auch wieder ein Kurzfilmprogramm?

Eine fast schon rhetorische Frage, denn unser Kurzfilm-Programm ist seit langer Zeit ein eigenes Festival im Festival und tatsächlich ausschließlich für die eine Vorstellung zusammengestellt.

Zehn sehr unterschiedliche Kurzfilme haben wir aus einer Fülle von Optionen herausgesucht und freuen uns darauf, diese dann zum Abschluss unserer „Limited Edition“ der Schwulen Filmwoche einmalig und exklusiv präsentieren zu können.
Alle Kurzfilme finden Sie unter folgendem Link: http://schwule-filmwoche.de/programm/kurzfilmprogramm/

Freitag 4. Dezember 2020

20.00 Uhr – MATTHIAS & MAXIME (119 min, OmU)
Kanada, Regie: Xavier Dolan

22.45 Uhr – DARKROOM – TÖDLICHE TROPFEN (89 min, DF)
Deutschland, Regie: Rosa von Praunheim

Samstag 5. Dezember 2020

15.00 Uhr – SUK SUK (92 min, OmU)
Hongkong, Regie: Ray Yeung

17.30 Uhr – KOPFKINO (86 min, DF)
Deutschland, Regie: Peter Lund

20.00 Uhr – AMORE AL DENTE – EIN FAST GEWÖHNLICHER SOMMER (100 min, OmU)
Italien, Regie: Simone Godano

22.30 Uhr – VENTO SECO – DRY WIND (109 min, OmU)
Brasilien, Regie: Daniel Nolasco


Sonntag 6. Dezember 2020

11.00 Uhr – DOKU: GAY CHORUS DEEP SOUTH (92 min, OmU)
USA, Regie: David Charles Rodrígues

14.45 Uhr – CICADA (94 min, OmU)
USA, Regie: Matthew Fifer und Kieran Mulcare

17.15 Uhr – MOFFIE (103 min, OmU)
Südafrika / GB, Regie: Oliver Hermanus

20.00 Uhr – WÜRZIG – UNSER KURZFILMPROGRAMM (ca. 107 min)