Soziokulturelles-queeres Zentrum Freiburg (QueerZ) | BETEILIGUNGSHAUSHALT

Fast alle queeren Vereine und Initiativen aus Freiburg beklagen seit Jahren eine unzumutbare Raumsituation, die sie zwingt, in oft unpassenden und potenziell diskriminierungsbegünstigenden Kontexten zu arbeiten und sich zu treffen. Viele deutsche Städte haben in Antwort auf dieses Problem queere (Jugend-)Zentren etabliert, darunter Karlsruhe, Braunschweig, Darmstadt, Frankfurt, Berlin und Stuttgart – in Freiburg fehlt ein solchesZentrum noch. Dabei werden die Angebote der queeren Community, wie beispielsweise die trans* Beratung von TransAll von vielen Menschen, auch aus einem großen Umkreis in Anspruch genommen. Freiburg nimmt dabei als einzige Großstadt Südbadens für die ganze Region eine Leuchtturmfunktion ein. Insbesondere in den ländlichen Gebieten um Freiburg fällt ein Coming Out und insgesamt ein queeres Leben schwer und es gibt kaum Unterstützungsangebote bei Mobbing, Diskriminierung usw. Dies ist der psychischen und sozialen Gesundheit von queeren Menschen nicht zuträglich. Auch die Rekrutierung und Ausbildung von queeren Ehrenamtlichen ist ohne ein solches Zentrum deutlich erschwert.

Bisher ist die engagierte Arbeit und das Herzblut der queeren Vereine, Organisationen und Initiativen im Stadtbild noch zu wenig oder nur temporär (beispielsweise während des CSDs) sichtbar – das muss sich ändern!

Die queere Community braucht einen Platz in der Mitte Freiburgs und damit in der Mitte der Gesellschaft!

Damit kann es das soziale Klima unserer Stadt in vielerlei Hinsicht aufwerten.

Queeres Leben in Freiburg braucht ein Zuhause. Wir wollen in Freiburg ein queeres Zentrum etablieren, das den vielen Vereinen, Organisationen und Initiativen Freiburgs ein Dach über dem Kopf gibt. Dabei wollen wir mitten in der Innenstadt einen Ort der Begegnung, der Akzeptanz und des gegenseitigen Respekts schaffen. Das Konzept des queeren Zentrums ‚QueerZ‘ bezieht sich sowohl auf einen kulturellen als auch auf einen sozialen Teil.

Beide werden im Folgenden vorgestellt:

Der soziale Teil von QueerZ bietet den queeren Freiburger Vereinen, Initiativen und Gruppen die Möglichkeit, queer-politische und soziale Arbeit in einem sicheren Raum zu verrichten. So sind u.a. Büro-, Plena-, Beratungs- und Lagerräume für queere Gruppen vorgesehen.

Der kulturelle Teil soll Menschen der LSBATIQ+ (1)-Community einen Raum bieten zur Begegnung, gegenseitigem Austausch und kulturellem Ausdruck. Tagsüber soll es einen Cafébetrieb geben, mit einer offen zugänglichen queeren Bibliothek und einer Infotheke. Abends soll es zu einer Bar umfunktioniert werden. Der Raum soll auch queerer Kunst wie Theateraufführungen, Lesungen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Performances, visueller Kunst, Musikveranstaltungen oder Ausstellungen eine Plattform bieten. Am Wochenende sollen die Räume vorwiegend als queerer Club genutzt werden, in dem das dauerhaft angelegte Awareness-Konzept, welchesin Zusammenarbeit mit dem A-Team Freiburg entwickelt werden soll, ein respektvolles Miteinander etabliert. Ebenfalls soll eine queer-feministische Tür entstehen, um schon beim Einlass in den Club einen diskriminierungsfreien Raum zu schaffen.

Im Vernetzungstreffen queerer Gruppen wurden Bedürfnisse laut, die mit diesem Zentrum adressiert werden sollen. Um den konkreten Bedarf zu ermitteln, wurde infolge dieses Vernetzungstreffens 2019 eine Umfrage in der queeren Community durchgeführt. So zeigt sich mehr als dreiviertel der queeren Community unzufrieden mit den aktuellen Angeboten für queere Personen in Freiburg. Es besteht ein großer Wunsch nach geschützten Begegnungsorten, wie ein queeres Café oder eine Bar.

Wir wollen die bereits bestehenden Angebote und Strukturen queerer Gruppierungen und Vereinen ergänzen, um so noch mehr Sichtbarkeit und vor allem noch mehr diskriminierungsfreie Räume zu schaffen. Gemeinsam wollen wir mit kulturellen Angeboten, Vernetzungsarbeit, Selbsthilfe-Arbeit, Beratungsarbeit und Bildungsarbeit über die bestehenden heteronormativen Strukturen in unserer Gesellschaft aufklären und somit langfristig eine offene Haltung gegenüber queeren Lebensweisen vermitteln. Das QueerZ soll somit zugleich ein Ort der Begegnung, Vernetzung und Entfaltung der queeren Community in der Region sein, als auch ein Ort der Aufklärung und Bildung zu queeren Themen für die breitere Masse der Bevölkerung.

Dabei soll das QueerZ einen einladenden Charakter haben, sowohl für die Menschen in Freiburg als auch aus der Region. Es soll ein niedrigschwelliges Angebot sein, um sich zu treffen, auszutauschen, sich gemeinsam zu organisieren und dadurch queere Ideen und Perspektiven weiterzuentwickeln und den Gemeinschaftsgedanken in der LSBATIQ+- Community zu fördern. Auch Menschen, die sich nicht zugehörig fühlen, sollen hier die Möglichkeit bekommen, sich mit den Lebenswelten von LSBATIQ+ auseinander zu setzen.

So kann in Freiburg ein Raum entstehen, der Menschen von Strasbourg über Colmar bis Basel und Zürich im „Dreiländereck“ zusammenführt und über die Ländergrenzen hinaus verbindet und der queeren Community einen Platz in der Mitte der Gesellschaft verschafft.

Mit einem queeren Zentrum im Herzen der Stadt können Freiburg und seine Einwohner*innen ein starkes und vor allem sichtbares Zeichen setzen, für ein respektvolles und tolerantes Miteinander, für Akzeptanz, Freiheit und eine Kultur der Vielfalt und der Chancengleichheit.

Forderungen/Finanzierung:

Um das queere Zentrum (QueerZ) in der geplanten Form, mit einem sozialen und einem kulturellen Teil wie beschrieben, umsetzen zu können, benötigen wir die Unterstützung der Stadt Freiburg. Dies bezieht sich vor allem auf die Raumfindung, sowie die Finanzierung. Die genauen Kosten, welche für die Umsetzung des QueerZ anfallen, werden erst nach der erfolgreichen Raumfindung festzustellen sein.

Im Einzelnen sind unsere Forderungen:

  • Unterstützung bei den Verhandlungen mit den Besitzer*innen der gewünschten Räumlichkeiten

Unsere derzeitige Wunschräumlichkeit:

  • Ehemaliges Balz Bambii sowie die darüber liegenden Büroräume (Kaiser-Joseph-Str. 248)
  • Alternativ die gegenüber gelegenen Büroräume (Löwenstraße 1)
  • Alternativ Unterstützung bei der Suche nach anderen geeigneten Räumlichkeiten im Stadtzentrum
  • Finanzierung der Miete
  • Finanzierung zweier 100% Stellen für den sozialen und kulturellen Teil von QueerZ
  • [Bezahlung nach Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes der Länder]
  • Finanzierung bzw. Bezuschussung der Erstausstattung der Büroräume (sozialer Teil) mit
  • Büromöbeln, Druckern, Kopierern etc.
  • Finanzierung bzw. Bezuschussung der Erstausstattung des Cafés, sowie Bar und Club mit Musikanlage, Lichttechnik usw.
  • Finanzierung/ Bezuschussung ggf. anfallender Renovierungskosten, sowie eines barrierefreien Ausbaus der Einrichtung
  • Unterstützung bei der laufenden Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten, durch das
  • Land, den Bund oder die EU, sowie Stiftungen und andere in Frage kommende Institutionen.

Stimmt beim Beteiligungshaushalt für das QueerZ!
Danke für eure Unterstützung,
euer QueerZ Freiburg

Erklärung:

Das Akronym LSBATIQ+ steht für: Lesbisch, schwul, bisexuell, asexuell und aromantisch, trans*, intergeschlechtlich und queer. Das ‘+’ steht für die queeren Identitäten, die in diesem Akronym nicht vertreten sind. Nachdem das Wort queer lange Zeit abfällig gegenüber Menschen verwendet wurde, die nicht der heteronormativen Norm entsprechen, wurde es mittlerweile von der queeren Community reclaimed und als Selbstbezeichnung positiv besetzt. Er wird heute oft auch als Überbegriff für Menschen benutzt, die nicht in die romantischen, sexuellen und/oder geschlechtlichen Normen der Gesellschaft passen.