[NEZTWERK LSBTTIQ BW] Für eine inklusive Gedenkkultur

Pressemitteilung des Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg

27.01.2022: Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – Für Inklusion – gegen Opferhierarchisierung

Anlässlich des 77. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz erinnert das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg besonders an das Leid lesbischer, schwuler, bisexueller, transgender, trans-sexueller, intersexueller und queerer (lsbttiq) Menschen. Sie wurden in der hetero- und andronormativen Logik der nationalsozialistischen völkischen Familien- und Bevölkerungspolitik gesellschaftlich ausgegrenzt und auf der Grundlage des § 175 und § 129 (in Österreich) und anderer Gesetze und Erlasse willkürlich kriminalisiert, zwangssterilisiert oder als Homosexuelle und „Asoziale“ in Arbeits- und Konzentrationslager gebracht.

27. Januar 2022 – Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Seit 1996 ist der 27. Januar in der Bundesrepublik Deutschland Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus: Am 27  Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit.

2022 jährt sich die so genannte Wannsee-Konferenz zum 80. Mal. Deutsche berieten in einem Haus am Berliner Wannsee am 20. Januar 1942 über die – wie es im nationalsozialistischen Sprachgebrauch hieß – „Endlösung der Judenfrage“. Zu diesem Zeitpunkt war der systematische Genozid, mit dem Ziel der Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas, bereits im Gange.

Für Sichtbarkeit – gegen Vergessen

In den vergangenen 25 Jahren kamen im Rahmen des Gedenkaktes für die Opfer des Nationalsozialismus Angehörige fast aller Opfergruppen zu Wort. Ein offizielles Gedenken an – in unserem heutigen Sprachgebrauch – lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle, queere (kurz: lsbttiq) oder heterosexuelle Menschen, die nicht in das nationalsozialistische Weltbild von Geschlechtern, Liebe, Zuneigung und Begehren passten, gab es im Bundestag bisher nicht; im Landtag von Baden-Württemberg dagegen bereits 2019.

Für Inklusion – gegen Opferhierarchisierung

Deshalb erinnert das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg auch 2022 besonders an das Leid von LSBTTIQ-Menschen. Bei diesem inklusiven Gedenken geht es uns um Sichtbarkeit und Erinnern an die Opfer, nicht um eine Hierarchisierung von Verfolgungsgründen.

Wir begrüßen es sehr, dass symbolisch zur Erinnerung an die Verfolgung lesbischer Menschen 2022 eine Gedenkkugel im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück dauerhaft niedergelegt wird. Inschrift dieser Gelenkkugel soll sein: In Gedenken aller lesbischer Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Sie wurden verfolgt, inhaftiert, auch ermordet. Ihr seid nicht vergessen.“


Über das Netzwerk Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg ist ein überparteilicher und weltanschaulich nicht gebundener Zusammenschluss von lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell und queeren (LSBTTIQ) Gruppen, Vereinen und Initiativen. Das Netzwerk zeigt damit bereits die Vielfalt und die Vielgestaltigkeit von Geschlecht und sexueller Orientierungen. Ziel des Netzwerks ist es, die Zusammenarbeit der verschiedenen LSBTTIQ-Mitgliedsgruppen auf Landesebene zu fördern und den Erfahrungsaustausch zu intensivieren, zu zentralen Themen gemeinsame Positionen zu erarbeiten und gegenüber landespolitischen Entscheidungstragenden zu vertreten. Dabei greift das Netzwerk auf die vorhandenen Kompetenzen und Expertisen der Mitglieder zurück. Die Bündelung der Aktivitäten vor Ort erbringt Synergieeffekte, die den gesellschaftlichen Beitrag der Mitgliedsgruppen wirkungsvoller gestaltet. Die Eigenständigkeit jedes Mitglieds wird respektiert und alle Mitglieder arbeiten gleichberechtigt.

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LSBTTIQ: Die Abkürzung steht für einzelne Richtungen in der vielfältigen Regenbogen-Gemeinschaft – lesbisch (L), schwul (S), bisexuell (B), transgender (T), transsexuell (T), intersexuell (I), queer (Q).


Quelle:

https://www.netzwerk-lsbttiq.net/aktuelles/515-auschwitzgedenktag2022