„Queere Geschichte*n Freiburg“ – Audioguide

Audioguide que(e)r durch die Stadt


Der kostenlose Audioguide „Queere Geschichte*n Freiburg“ erzählt an 27 Stationen in Freiburg historische und aktuelle Geschichten über queere Personen, Themen, Ereignisse, Szenen und Orte.


queere-geschichten-freiburg.de


Information

Über das Projekt

Ich bin Lio und mache dieses Projekt halb für die Uni (Soziologie), halb als politisches Projekt. Queere Menschen in Freiburg haben mir ermöglicht, mein eigenes Queersein zu entdecken und zu leben. Vor und während dem Queere-Geschichte*n-Projekt habe ich unglaublich viel von ihnen gelernt. Mit dem Projekt möchte ich der Community etwas zurückgeben: Geschichten von ihr und über sie in all ihrem Facettenreichtum, ihren internen Widersprüchen und ihrer unanständigen Unangepasstheit. Danke an alle, die mich dabei unterstützt haben!

Downloads


Homepage

Mio hat für das Projekt ehrenamtlich die Website „queere-geschichten-freiburg.de“ designt und programmiert, samt der wundervollen interaktiven Karte. Ohne ihren Einsatz gäbe es den Audioguide in dieser zugänglichen Form nicht. Vielen lieben Dank!


Kontakt

Mail: queeregeschichtenfreiburg@riseup.net

Instagram: @queere_geschichten_freiburg

Meldet euch jederzeit bei Fragen, Feedback und Verbesserungsvorschlägen!

Bedenkt dabei gerne, dass dies ein unkommerzielles, zeitlich beschränktes studentisches Projekt ohne Finanzierung ist.


Impressum

Inhaltlich verantwortlich (gemäß §5 TMG):

Feministisches Zentrum Freiburg e.V.
Faulerstr 20
79098 Freiburg

E-Mail: queeregeschichtenfreiburg@riseup.net

Telefon : 0761/33339

Vertretungsberechtigt aus dem Vorstandsteam:
Dagmar Schrödter, Anschrift wie oben.

Registergericht: Amtsgericht Freiburg
Registernummer: VR 1124


Lizenz

Die Inhalte dieser Website werden unter einer ‚Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland Lizenz‘ zur Nutzung angeboten.

Queere Geschichte*n Freiburg schließt allerdings von vornherein im Sinne von Nr. 4e und Nr.7b, Satz 2 der hier verwendeten Creative Commons Public License den Gebrauch aller Beiträge bzw. Beitragsteile dieser hier angebotenen Lizenz in sexistischen, antisemitischen, rassistischen, rechtsradikalen oder faschistischen Kontexten ausdrücklich aus. Teile der Website haben auch andere Lizenzen.

Creative Commons

Was ist Queere Geschichte*n Freiburg?

Der kostenlose Audioguide „Queere Geschichte*n Freiburg“ erzählt an 27 Stationen in Freiburg historische und aktuelle Geschichten über queere Personen, Themen, Ereignisse, Kontroversen, Szenen und Orte erzählt. 


Was bedeutet queer?

„To queer hat damit zu tun, etwas oder jemanden aus dem Gleichgewicht, aus einer selbstverständlichen Ordnung zu bringen.“ – Nina Degele

Queer wird oft als Sammelbegriff für Praktiken oder Personen verwendet, die nicht der heterosexuellen und cisgeschlechtlichen Norm entsprechen, oder für Lesbian-Gay-Bi-Trans-Queer-Inter-Asexual+ (LGBTQIA+).

Ursprünglich ist queer ein Schimpfwort und wurde als Selbstbezeichnung angeeignet und aufgewertet. Das Label queer gibt es noch nicht sehr lange. Als queer können historische Personen und Praktiken aber trotzdem verstanden werden, wenn sie gegen die heteronormative, binäre Ordnung ihrer Zeit verstoßen haben. Mehr Hintergrundinfos findet ihr auch in der Broschüre in der Downloadsektion.


Warum queere Geschichte?

Das Label queer gibt es noch nicht sehr lange. Als queer können histori- sche Personen und Praktiken aber trotzdem verstanden werden, wenn sie gegen die heteronormative, bi- näre Ordnung ihrer Zeit verstoßen haben.

Heute wirkt es oft so, als wären LGBTQIA+ ‚neu‘ – aber sexuell, ro- mantisch und geschlechtlich abwei- chendes Verhalten existieren, seit es die entsprechenden Normen dazu gibt. Queer auf die Geschichte zu bli- cken, eröffnet die Perspektive auf verschiedenste historische Ver- schränkungen von Geschlecht und Sexualität. Durch den Blick zurück können wir nachvollziehen, wie die Kategorien und Denkweisen entstan- den sind, die wir heute als selbstver- ständlich wahrnehmen. So kann uns Geschichte andere Blickwinkel auf Gegenwärtiges eröffnen. Queering History hilft also dabei, über Konventionen, Normen, Praktiken kritisch nachzudenken.

Erinnerkungskulturen sind politisch, ständig umkämpft und machtvoll. Geschichte hat Einfluss auf die Ge- genwart und wie wir heute uns und die Welt verstehen. Gleichzeitig wurde und wird sie vorrangig aus Sicht von reichen, mächtigen, wei- ßen hetero cis Männer geschrieben – dabei werden queere, weibliche, ras- sifizierte Geschichtsanteile ausge- blendet oder negativ dargestellt. Queeres Erinnern kann dem neue Geschichten entgegensetzen.

Queere Geschichte hat Bedeutung für heute lebende queere Personen – sei es als Vorbild oder als Reibungs- fläche. Und nicht zuletzt: Queere Ge- schichte zeigt uns, dass Widerstände möglich sind und etwas verändern können. Sie kann uns Mut machen: Resistance matters!


Queering History und wie?!

„To queer the past is to view it skep- tically, to pull apart its constitutive pieces and analyse them from a variety of perspectives, taking nothing for granted.“ – Jennifer Evans

Es geht also nicht nur darum, queere Leute und Geschichten zur beste- henden Geschichtsschreibung hinzu- zufügen, sondern auch, diese Ge- schichtsschreibung selbst zu hinter- fragen und zu ‚queeren‘. Dabei be- steht die Gefahr, durch die Auswahl des Erinnerungswürdigen wiederum Ausschlüsse zu produzieren und bestimmte Anteile unsichtbar zu lassen, während einzelne Personen heroisiert werden. Zudem wird es den komplexen Vergangenheiten nicht gerecht, ihnen die heutigen Kategorien und Annahmen über Geschlecht und Sexualität einfach nur überzustülpen. Geschichte ist aus queerer Perspektive nicht linear, keine ‚Fortschrittsgeschichte‘, besteht nicht aus Eckdaten und Jahreszahlen, und ist nicht eine einzige Geschichte. Sie besteht aus unzähligen, vielfältigen GeschichteN.

Queering History bedeutet deshalb…

  • den inhärenten Ambivalenzen von Personen, Bewegungen, Praktiken nachzugehen.
  • auch problematische Aspekte queerer Geschichte zu untersuchen.
  • Dichotomien, wie etwa prämodern/modern, und starre Kategorisierungen zu vermeiden.
  • Vorannahmen über Vergangenheit und Gegenwart zu hinterfra- gen.
  • sowohl Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten zu betrachten.
  • nicht national zu denken, sondern lokale wie transnationale Spuren zu verfolgen.
  • intersektional zu denken und vielfältige Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
  • ständig über die eigenen Erinnerungspraktiken und ihre Ein- und Ausschlüsse zu reflektieren.

Wie funktionieren Webseite und Guide?

Den Audioguide findet ihr unter: queere-geschichten-freiburg.de

Die interaktive Karte zeigt alle 27 Audioguide-Stationen in Freiburg, zu denen es jeweils eine Geschichte zum Anhören gibt. Indem ihr auf die Stationssymbole klickt, könnt ihr die Infos zu den Stationen abrufen und die Audiobeiträge direkt abspielen. Wahlweise können die Audio-Dateien auch in der Downloadsektion heruntergeladen werden. Außerdem lassen sich die Stationen mithilfe der Box ‚Themen‘ nach zeitlichen und inhaltlichen Aspekten filtern. Wenn ihr bestimmte Themen auswählt, werden unter der Karte nur noch die entsprechenden Stationen aufgelistet.

Insgesamt ergeben die Stationen etliche Stunden Audiomaterial, es ist also kaum möglich alle Stationen hintereinander anzuhören. Deswegen solltet ihr vor dem Start einer Tour durch die Stadt eine Auswahl treffen. Es gibt vorgeschlagene Touren (im Panel Touren ) oder ihr sucht euch einfach Stationen heraus, die euch besonders interessieren.

Ihr könnt die Stationen allein oder zu mehreren mit dem Rad oder zu Fuß besuchen. Die Fotos der Stationen helfen euch dabei, den jeweiligen Ort zu lokalisieren. Sucht euch vor Ort am besten einen ruhigen Platz, wo ihr dann den Audiobeitrag anhört.

Wahlweise könnt ihr die Geschichten auch einfach zu Hause als eine Art Podcast anhören.

Die lila Punkte auf der Karte zeigen Orte, zu denen es keine Audio-Station, aber trotzdem queere Geschichte gibt. Nicht nur die Innenstadt, sondern ganz Freiburg hat queere Geschichte(n)!


Woher kommen die Originalstimmen in den Audiobeiträgen?

Für den Audioguide wurden mehrere Interviews geführt. Einige Originaltöne stammen zudem von anderen Projekten wie Sichtbar in Freiburg, LSBTTIQ-BW und dem Podcast Queer is Near. Für die Verwendung wurde in diesem Fall die Berechtigung eingeholt. Die meisten Originaltöne kommen aus Sendungen des Radio Dreyeckland. Dort stehen sie unter einer Creative-Commons-Lizenz und dürfen dementsprechend für unkommerzielle Zwecke weiterverwendet werden. Falls du mit der Verwendung eines Beitrages dennoch nicht einverstanden sein solltest, melde dich sehr gerne (siehe Kontakt). Alle Quellenangaben gibt es übrigens in der Downloadsektion.


Was auf einen Stadtrundgang mitnehmen?

  • Smartphone, ggf. mit heruntergeladenen Audios
  • Kopfhörer oder Lautsprecher
  • Proviant, warme Kleidung
  • Evtl. Unterlage zum Hinsetzen

Tour A: Que(e)r durch die nördliche Altstadt zum Schlossberg

  • Stationen: 1-9
  • Startpunkt: Platz der alten Synagoge
  • Endpunkt: Schlossberghang (beim Kriegerdenkmal)
  • Dauer: ca. 2h Audiozeit, 30min Gehzeit oder 15min Fahrzeit
  • Themen: Christopher Street Day, schwules Cruisen, Geschichten aus der frühen Neuzeit, zwei Frauenpaare im 20. Jht, Queere Bars & Liebesgeschichten
  • Tipp: Die Tour endet an einem lauschigen Plätzchen ein Stückchen den Schlossberg hoch, aber natürlich geht auch jeder andere nette Ort für den Abschluss.

Tour B: Que(e)r durch Sedanquartier & Stühlinger

  • Stationen: 10-18
  • Startpunkt: Mensa Rempartstraße 15
  • Endpunkt: Zunftstraße (Beurbarung)
  • Dauer: 2.5h Audiozeit, 45min Gehzeit oder besser 15min Fahrzeit
  • Themen: Frauenliebende Sexualwissenschaftlerin Charlotte Wolff, Queere Partys und Freundschaften, FrauenLesbenWGs und -Wohnraumpolitik, Kämpfe gegen die cisgeschlechtliche Ordnung und gegen Rassismus, Feministisches Zentrum auf dem Grethergelände, HIV/AIDS in Freiburg sowie NS-Verfolgung
  • Tipp: Zu Fuß ist es besser, die beiden letzten Stationen an einem näher gelegenen Ort anzuhören.

Tour C: Que(e)r durch südliche Altstadt & Wiehre

  • Stationen: 19-27
  • Startpunkt: Kaiser-Joseph-Straße 248
  • Endpunkt: Neuer Wiehrebahnhof
  • Dauer: knapp 2,5h Audiozeit, ca. 30min Gehzeit oder 10min Fahrzeit
  • Themen: Queere Präsenz in der Öffentlichkeit und Gewalt gegen Queers, homosexuelle Männer vor, während und nach dem NS, Anwältin Maria Plum, ehemaliges Frauenzentrum in der Luisenstraße, Lesbenfilmtage, erste homosexuelle Aktionsgruppe in den 70ern
  • Tipp: Diese Tour ist ziemlich lang und deep. Zeit mitbringen und vielleicht eine große Pause an der Dreisam einlegen!

Weitere Touren-Ideen

  • Frauenliebe: Stationen 3, 6, 7, 9, 10, 13, 23, 25, 26
  • Männerliebe: Stationen 2, 4, 9, 22, 24
  • Gender Trouble: Stationen 5, 14, 15, 16, 23
  • Subkultur & Fun: Stationen 8, 9, 11, 12, 19, 24, 26
  • Politik & Aktivismus: Stationen 1, 2, 13, 14, 15, 17, 20, 25, 27
  • Raumaneignungen: Stationen 2, 11, 13, 15, 16, 19, 24, 25, 26
  • Looooong Ago: Stationen 3, 4, 5
  • Weimarer Republik: Stationen 7, 10, 22, 23
  • Nationalsozialismus: Stationen 6, 7, 10, 18, 21, 23
  • Jüngere Geschichte: Stationen 1, 2, 8, 13, 17, 22, 24, 25, 27
  • Aktuelle Themen: Stationen 9, 11, 12, 14, 15, 16, 19, 20

Zu jeder Station gibt es eine Frage. Die Nummern sind die jeweiligen Stationsnummern. In den
Antworten wird „ä“ zu „ae“ usw. Mehrere Worte werden ohne Leerzeichen hintereinander geschrieben.


Download


Die Fragen

  1. In welchem Jahr fand in Freiburg der erste CSD statt?
  2. Wo trafen sich die Schwulen in der Nachkriegszeit zum Cruisen?
  3. Was für ein Leben führte Catharina laut dem Pfarrer? Ein …
  4. Welche Strafe sah die Constutio Criminalis Carolina für Sodomie vor?
  5. Hans konnte nach seiner ‚Verzauberung‘ laut eigenen Angaben keinen Mann mehr…
  6. Wie erreichte Käthe Seifried 1930 eine vorzeitige Freilassung aus dem Gefängnis?
  7. Wo wollten Hanni und Bobi eigentlich hinziehen, bevor sie sich für Freiburg entschieden?
  8. Wie hieß die erste queere Kneipe in Freiburg?
  9. Wie heißt das Phänomen, dass lesbische Charaktere in Filmen übermäßig oft sterben?
  10. Wie war das Klima im Berlin der 20er Jahre laut Charlotte Wolff?
  11. Wie war der Deckname für FrauenLesben-Partys in der Katholischen Hochschule? Fete am …
  12. Wer war Joß Fritz? Anführer von …
  13. Was passierte 1986 in der Besetzung Schlossbergring 9? Ein Mann wurde …
  14. Was ist am 20. November?
  15. Wovon lebt das feministische Zentrum?
  16. Welche antirassistische Veranstaltungsreihe gibt es in Freiburg seit 2019?
  17. Womit gelang ab 1996 ein Durchbruch in der Bekämpfung von AIDS?
  18. Zu welcher Religionsgemeinschaft gehörte Fritz Hauser?
  19. Wer musste sich den Zugang zur KaJo schon gerichtlich erstreiten?
  20. Was organisierte das Regenbogenreferat 2015 nach einem queerfeindlichen Übergriff?
  21. Was zeichnete Marcus Behmer im Gefängnis? Ein lilafarbenes …
  22. Was möchte Heinz Otto per Annonce 1920 in Freiburg ins Leben rufen? Eine Vereinigung …
  23. Auf welches juristische Fachgebiet war Maria Plum spezialisiert?
  24. Womit versuchte die Stadt 1980 in der Klappe Turmstraße sexuelle Kontakte zu unterbinden?
  25. Worum handelte es sich beim allerersten Frauenzentrum in Freiburg? Um eine …
  26. Was zierte das erste Programmheft der Lesbenfilmtage? Venuszeichen und …
  27. Wer ist laut der Gruppe H6G nicht in der Lage, sich in einer Sprache verständlich zu machen die von allen verstanden wird?

Stationen

Mobil-optimierte Version

Platz der Alten Synagoge

Der CSD geht auf einen Aufstand von queeren BIPOCs im Stonewall Inn in New York 1969 zurück. In Freiburg findet er zum ersten mal 1989 statt, mit radikalen politischen Ansprüchen. Seit Beginn bestehen Spannungsfelder rund um die politische Ausrichtung, das Verhältnis Party/Politik, zwischen den teilnehmenden Gruppen und um die Rolle von cis hetero Personen.

politische Organisationen, Demo, mediale Berichterstattung, Verhältnis Lesben/Schwule, Party, Pink Washing, Aktuell, 70er bis 90er, schwul, lesbisch, trans

Colombipark

Schon in den 30ern nehmen sich Männer vor dem Schwarzen Kloster unweit des Colombiparks gegenseitig in Augenschein. In der Nachkriegszeit flanieren, flirten und vögeln Männer miteinander im damals verwilderten Park. Unter den Bedingungen der Schwulenverfolgung ist das Cruising (Suche nach Sexpartnern im öffentlichen Raum) für viele männerliebende Männer die einzige Möglichkeit, ihre sexuellen Wünsche auszuleben. 1989 wird der Park zudem Schauplatz einer politisch-künstlerischen Aktion zum Gedenken an die schwulen Opfer des NS.

Sex, schwul, 70er bis 90er, Nachkriegszeit, NS-Gedenken, Verdrängung, Raumaneignung

Schiffstraße 14

Im Haus ‚Zur guten Stund‘ in der Schiffstraße wohnt im 16. Jht die Witwe Catharina Stadellmenin. Weil sie zu viel Umgang mit Frauen hat und in ihrem Haus manchmal bis spätabends getanzt und gefeiert wird, wird sie der Hexerei verdächtigt. Inwieweit kann ihre Geschichte queer gedeutet werden?

Hexenverfolgung, frauenbezogen, 16. Jahrhundert, Konzept Queer

Europaplatz, Eingang KaJo

Der Schneider Georg Fecht wird 1660 vor Gericht gestellt, weil er sexuelle Annäherungsversuche gegenüber Männern unternommen hat – in der Frühen Neuzeit ein Fall von Sodomie. Zusätzlich gerät er unter Hexereiverdacht.

Hexenverfolgung, schwul, frühe Neuzeit, Sodomie

Münsterplatz, vor dem Münster

Der*die Landarbeiter*in Hans Kayser heiratet im 16. Jahrhundert Anna Reulin und sie führen eine friedfertige Ehe. Nach 8 Jahren will sich Anna jedoch scheiden lassen – mit der Begründung, Hans sei eigentlich eine Frau. Der Fall löst damals vor Gericht und bis heute Verwirrungen und Störungen der zweigeschlechtlichen Ordnung aus. Hans wird über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich gedeutet: als Frau in Männerkleidung, ‚Zwitter‘, lesbisch, trans… Hans selbst sagt, er*sie sei verzaubert worden.

Frühe Neuzeit, trans, drag, lesbisch, Konzept queer

Historisches Kaufhaus, Münsterplatz 24

Käthe Seifried (1904-1991) wird im NS als Kommunistin verfolgt. Nach dem Krieg lebt sie mit ihrer Lebensgefährtin Sophie Gerstmeier in Freiburg und zieht mit ihr ein Kind groß, dass ihnen jedoch weggenommen wird, weil sie es ohne ein Ehepaar zu sein nicht adoptieren dürfen. Lesbischen Eltern wird bis in die 90er Jahre tausendfach das Sorgerecht entzogen, auch heute noch sind sie rechtlich benachteiligt.

Nachkriegszeit, Nationalsozialismus, frauenbezogen, Regenbogenfamilie

Salzstraße 3

Hanni Rocco (1896-1990) und Maria ‚Bobi’ Proelss (1890-1962), zwei Künstlerinnen und Musikerinnen, führen gemeinsam ein bewegtes Leben zwischen der Bohème in Europas Großstädten, der Künstlerkolonie Höri am Bodensee – und Freiburg, wo sie nach dem Krieg gemeinsam in der Salzstraße wohnen. Die NS-Zeit überleben sie nur mit Glück – insbesondere Bobi, die jüdische Wurzeln hat.

Widerstand im NS, jüdisch, Künstler*innen, NS-Verfolgung, frauenbezogen, bisexuell, Weimarer Republik, Nachkriegszeit, 70er bis 90er

Salzstraße 13

Die erste queere Kneipe in Freiburg ist ab Ende der 60er Jahre das Bobbele in der Günterstalstraße. Sie wird von Schwulen und Lesben aus dem gesamten Dreiländereck besucht. Später trifft man sich im Tadjo a.k.a. ‚das Loch‘ beim Schwabentor. Ab den 80ern entwickelt sich eine vielfältige queere Barszene, die jedoch inzwischen wieder ziemlich dezimiert ist. Die älteste noch existierende queere Bar ist die Sonderbar in der Salzstraße, die sich nicht zufällig an einem sehr versteckten Ort befindet.

Subkultur, Partys, lesbisch, schwul, 70er bis 90er, aktuell

Schlossberg

Queere Geschichten drehen sich oft um schlimme Erfahrungen. Diese Station erzählt als Ausgleich nur Storys von queerer Verliebtheit, von Zärtlichkeiten und Beziehungen. In Freiburg spielen sich romantische Dates besonders oft am Schlossberg und den anderen Hausbergen ab, wo lauschige Plätzchen und schöne Aussichten Annäherungen begünstigen.

Liebe, Sex, Lesbisch, schwul, aktuell, 70er bis 90er, Gedichte

Platz der Universität

Charlotte Wolff (1897-1986) ist eine jüdische frauenliebende Sexualwissenschaftlerin, die in den 1920er Jahren zeitweise in Freiburg studiert. In der Kleinstadt gibt es damals aber wenig queere Kultur. Später forscht sie im Londoner Exil zu Lesbianismus und Bisexualität. In Haslach ist heute eine Straße nach ihr benannt.

Weimarer Republik, lesbisch, bisexuell, jüdisch, Wissenschaft, Uni Freiburg, NS-Verfolgung, Crossdressing

Mensa, Rempartstraße 18

Feiern, Feten, Bälle, Partys sind schon lange ein elementarer Bestandteil queeren Lebens. Miteinander zu tanzen hat insbesondere zu Zeiten der Kriminalisierung eine sehnsuchtsgeladene Bedeutung für viele Queers. Ab Mitte der 70er Jahre gibt es die ersten Frauenfeten, die eine Möglichkeit bieten, abseits der Hetero-Norm miteinander zu tanzen. Es folgen wilde Walpurgisnächte und ab den 90ern lesbisch-schwule Partyreihen. Heute ist die vom Regenbogenreferat veranstaltete Pink Party in der Mensa besonders bekannt.

Aktuell, 70er bis 90er, lesbisch, schwul, Party, Raumaneignung, Queeres Zentrum, Feminismus, Subkultur

Jos Fritz, Wilhelmstraße 15

Ein wichtiger Treffpunkt für queere Freund*innen ist in Freiburg historisch und heute das Jos Fritz. Freundschaften spielen für viele Queers eine zentrale Rolle: Sie helfen beim Coming-out-Prozess und ersetzen teilweise biologische Familien. Die Grenzen zwischen Beziehung, Familie und Freundschaft sind fließend. Wichtige Vorkämpfer*innen gegen die gesellschaftliche Vorrangstellung der monogamen romantisch-sexuellen Liebesbeziehung sind asexuelle und aromantische Personen.

Coming-out, Bücher, Freundschaft, Familie, Räume, queere Organisationen, Queer Theory, aktuell, asexuell, 70er bis 90er, schwul, lesbisch, trans

Adlerstraße 4

In den 90er Jahren gibt es in Freiburg eine legendäre FrauenLesben-WG: Die A4. Sie vertritt einen radikalen Separatismus. Von hier aus werden viele feministische Aktionen geplant. Lesben sind auf besondere Weise von patriarchaler Wohnraumpolitik betroffen. Dass es überhaupt explizit lesbisch-feministische Räume in Freiburg gibt, erkämpfen unter anderem die Schlossberg-Frauen in den 70er Jahren – sie erklären ein besetztes Haus kurzerhand zum Frauenhaus und werfen die Männer raus.

Wohnen, Lesbisch, Feminismus, 70er bis 90er, Besetzungen, Coming Out, Verdrängung, Raumaneignung

Transall, Grethergelände, Adlerstraße 12

In den letzten Jahr(zehnt)en gibt es vermehrt politische Kämpfe gegen das Cistem, das heißt gegen das trans-, inter- und nichtbinär-feindliche System von Pathologisierung, rechtlichen Hürden, medialer Diffamierung und Gewalt. Eine zentrale Protagonist*in dieser Widerstände ist in Freiburg der Verein Transall. Aber auch künstlerische Dekonstruktionen der Geschlechternormen tragen zum Struggle bei, wie etwa vom Theaterkollektiv RaumZeit.

Aktuell, trans, inter, nichtbinär, Kunst, cis, queere Organisationen, Theater, Trans Day of Remembrance, mediale Berichterstattung, Drag

fz*, Grethergelände, Faulerstraße 20

Auf dem Grethergelände befindet sich seit 2000 das Feministische Zentrum, das auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Früher hieß es Frauenzentrum, dann FrauenLesbenzentrum. Die verschiedenen Namen sind Ausdruck einer sich wandelnden feministischen Bewegung, innerhalb derer sich queere Gruppen mit der Zeit mehr Sichtbarkeit erkämpft haben. Heute organisieren sich im fz* Frauen, Lesben, trans und inter Personen verschiedener Generationen.

Bücher, FLINTA, Queerfeminismus, Benennungspraktiken, lesbisch, aktuell, 70er bis 90er, trans, Feminismus, Räume

E-Werk, Eschholzstraße 77

Queere BIPOC (Black, Indigenous & People of Colour) sind aufgrund der Intersektionalität, also der Überschneidung von verschiedenen Unterdrückungskategorien, besonders von Ausschlüssen betroffen. Viele kämpfen auch innerhalb der queeren Communities gegen Rassismus. In den letzten Jahren organisieren sie in Freiburg vermehrt eigene Räume, um über ihre spezifischen Erfahrungen zu sprechen. Mit Demos, Kunst und Aktivismus stellen sie sich der rassistischen, queerfeindlichen Mehrheit entgegen. Einer der Orte, an denen das stattfindet, ist das E-Werk.

Rassismus, Black activism, Gedichte, Künstler*innen, BIPOC, Intersektionalität, jüdisch, Dear White People, Here and Black, Raumaneignung, Drag, Adoption, Migration, Privilegien, Kolonialismus, aktuell, trans, nichtbinär

AIDS-Hilfe, Büggenreutherstraße 12

Anfang der 80er erreicht die AIDS-Pandemie Freiburg und trifft die schwule Szene besonders hart. Die neu gegründete AIDS-Hilfe widmet sich zunächst vorallem der Sterbebegleitung. Ein Opfer der Krankheit ist Norbert Parusel, ein Vorkämpfer der AIDS-Bewegung. Über die Jahre gibt es zahlreiche Aktionen gegen HIV und Stigmatisierung – zum Beispiel die ‚Aktion Masken in der Stadt‘. Ab 1996 gibt es wirksame Medikamente, die jedoch in der Anfangszeit mit starken Nebenwirkungen einhergehen. Heute bietet die AIDS-Hilfe Prävention, Tests, Beratungen und Selbsthilfegruppen an.

Schwulenbewegung, queere Organisationen, politische Aktion, schwul, bisexuell, 70er bis 90er

Zunftstraße, zwischen Hausnummer 5 und 13

In der Zunftstraße erinnert ein Stolperstein an Fritz Hauser (1892-1944), der hier Anfang des 20. Jht gewohnt hat. Den Nazis ist er wegen seiner Homosexualität, seinem angeblichen ‚Schwachsinn‘, seiner Gläubigkeit und seiner regimekritischen Haltung ein Dorn im Auge. Mehrfach wird er wegen homosexuellen Handlungen verurteilt und 1940 schließlich ins KZ deportiert. In den KZs stehen Homosexuelle weit unten in der Häftlingshierarchie und werden von den Mithäftlingen oft ausgegrenzt. 1944 stirbt Fritz Hauser im KZ Lublin-Majdanek.

NS-Verfolgung, schwul, Stolperstein, §175

Kaiser-Joseph-Straße 248

Unbehelligt auf der Straße unterwegs zu sein, ist vielen Queers nicht vergönnt. Deshalb drehen sich viele Queere Storys um die Frage nach öffentlicher Sichtbarkeit und Sicherheit, zum Beispiel beim Händchenhalten. Sichtbarkeit gefährdet, ist aber auch eine politische Strategie für mehr Anerkennung. Gerade um queere Präsenz auf der KaJo wird immer wieder gekämpft. Die Initiative QueerZ will hier nun ein Queeres Zentrum eröffnen.

Sichtbarkeit, aktuell, Händchenhalten, Demo, Raumaneignung, CSD, Queeres Zentrum, drag, lesbisch, schwul, asexuell, trans, bisexuell

Löwenstraße

In Freiburg kommt es insbesondere im Bermudadreieck immer wieder zu Beschimpfungen und Gewalttaten gegen queere Personen. Im April 2015 wird beispielsweise ein schwules Paar in der Löwenstraße angegriffen. Körperliche Gewalt ist aber nur die Spitze des Eisbergs aus struktureller Gewalt gegen LGBTQIA+, die nicht zuletzt von Staat und Medizin ausgeht. Als Aktion gegen die Gewalt gibt es u. A. 2015 ein queeres Kiss-In mit 150 knutschenden Personen.

schwul, lesbisch, trans, drag, politische Aktionen, Konzept queer

Holzmarkt 2

Vom Landgericht am Holzmarkt 2 werden im NS homosexuelle Männer verfolgt und verurteilt. Sie erleiden Gefängnisstrafen, Kastrationen und Deportationen in KZs. Einige bringen sich um oder werden ermordet. Der Verfolgung liegt die rassistische und homofeindliche Ideologie der Nazis zugrunde; besonders bedroht sind Mehrfachdiskriminierte. Manche Homosexuelle bewegen sich aber auch in einer Grauzone zwischen Opfer- und Täterschaft. Trotz der Anstrengungen des Regimes kommt homosexuelles Leben im NS nicht komplett zum Erliegen.

Hans Giese, Marcus Behmer, nationalsozialistische Ideologie, §175, KZ, Verfolgung, Gericht, Intersektionalität, Pathologisierung, Grauzone, Kunst, Nationalsozialismus, schwul, inter

Gartenstraße 10

Während der Weimarer Republik und der direkten Nachkriegszeit gibt es in Freiburg Ansätze homosexueller Subkultur und politischer Organisierung, die sich gegen die Unterdrückung und Verfolgung zur Wehr setzen. In der inoffiziellen ‚Zentrale der Homosexuellen von Freiburg‘ in der Gartenstraße findet 1949 eine Silvesterparty homosexueller Männer statt, die ein gerichtliches Nachspiel hat.

Politische Organisationen, Party, Verfolgung, §175, Subkultur, Otto Hug, queere Zeitschriften, Heinz Schmitz, Weimarer Republik, Nachkriegszeit, schwul

Schreiberstraße 10

1928 eröffnet Dr. Maria Plum (1894-1962) die erste weiblich geführte Anwaltskanzlei in Freiburg, die schnell sehr erfolgreich wird. Sie führt die Kanzlei mithilfe ihrer Bürovorsteherin und Lebensgefährtin Marie Luise Goppel, mit der sie auch zusammenwohnt. Im NS tritt sie in den beruflichen Widerstand und versucht die Auswirkungen der NS-Politik auf Frauen und Juden*Jüdinnen in ihrem Umfeld abzumildern.

Widerstand im NS, frauenbezogen, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Weimarer Republik, Feminismus

Klohäuschen Kaiserbrücke – Ecke Schreiberstraße

Klappen sind Klohäuschen, die von Männern für Sex frequentiert werden. Sie können als queere Raumaneignungen gedeutet werden. In Freiburg sind über 20 Klappen aus verschiedenen Zeiten dokumentiert. Eine davon ist das Häuschen an der Kaiserbrücke. Neben ihr verläuft am Dreisamufer in der Nachkriegszeit die sogenannte ‚rue‘, ein Ort des schwulen Flirtens.

Raumaneignung, Sex, Verdrängung, schwul, Nachkriegszeit, Nationalsozialismus, Cruising, Subkultur

Luisenstraße 5

Von 1976 bis 1984 befindet sich in der Luisenstraße ein selbstorganisiertes Frauenzentrum. In dieser Zeit treten erstmals Lesben in die Freiburger (frauenpolitische) Öffentlichkeit. In der Folge kommt es zu Spaltungen, die auch im Zentrum deutlich hervortreten.

Feministisches Zentrum, lesbisch, 70er Jahre, 80er Jahre, Sichtbarkeit, bi, Feminismus

Alter Wiehrebahnhof, Urachstraße 40

Seit 1990 gibt es die Freiburger Lesbenfilmtage im KoKi – Deutschlands ältestes lesbisches Filmfestival. Den ersten Filmtagefrauen fällt es noch schwer, überhaupt genügend lesbische Filme aufzutreiben. Die Filmtage werden über die Jahre von zahlreichen Diskussionen begleitet – zum Beispiel über die Erwünschtheit von Männern auf dem Festival.

Film, Raumpolitik, 70er bis 90er, aktuelles, lesbisch

Neuer Wiehrebahnhof, Gerwigplatz 20

Die Gruppe ‚Homosexualität und Gesellschaft‘, genannt H6G, ist Anfang der 70er die erste homosexuelle Aktionsgruppe in Freiburg. In ihr organisieren sich Schwule, Lesben und Heteros. Die H6G analysiert die bürgerlich-kapitalistisch-patriarchale Sexualunterdrückung und strebt Emanzipation auf allen Ebenen an.

Schwulenbewegung, schwul, lesbisch, 70er bis 90er, Theorie, politische Aktion